Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Was ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

  • Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist jedes sexuell bestimmte Verhalten, das nicht erwünscht und als beleidigend empfunden wird.
  • Es handelt sich bei sexueller Belästigung keineswegs – wie manchmal verharmlosend behauptet wird – um einen missverstandenen Flirt, harmlosen Spaß oder ein Kompliment! Das ist eine Aussage, mit der belästigende Personen auf raffinierte Art ausdrücken wollen, dass sie die Bedürfnisse der belästigten Personen nach Abstand nicht ernst nehmen.
  • Sexuelle Belästigung ist immer einseitig und passiert auf Kosten der Selbstbestimmung und gegen den Willen der Betroffenen!
  • Die Übergriffe erfolgen überwiegend durch Männer. Dabei kann es sich um Kollegen, Ausbilder, Kunden, Vorgesetzte handeln. Oft sind die Männer schon lange im Betrieb und nutzen dieses Machtverhältnis für ihre Zwecke aus. Sie gehen dabei gezielt und systematisch vor. Zu einem geringen Prozentsatz sind Frauen diejenigen, die Belästigungen ausüben.
  • Eine Strategie besteht darin, dass die belästigenden Personen die sexuellen Annäherungen anfangs als zufällige Körperberührungen tarnen und diese langsam und schleichend vorsätzlich verstärken. Dadurch sollen Betroffene verunsichert und verwirrt werden.
  • Zusätzlich wird jegliches Abwehrverhalten der Betroffenen von den belästigenden Personen ignoriert.
  • Darüber hinaus versuchen die Personen, die die Belästigungen ausüben, sich Kenntnisse über private Zusammenhänge (insbesondere über Probleme) der Belästigten zu verschaffen, was dann gezielt als Druckmittel in anderen Situationen einsetzt wird (Psychoterror).

Formen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
Dazu gehören verbale, nonverbale, offene und versteckte Übergriffe wie zum Beispiel:

  • Körperkontakt, der unnötig und wie scheinbar zufällig erfolgt
  • Hinterherpfeifen, Pokneifen, das Grapschen an Körperteilen der Frau – insbesondere an der Brust oder am Po der belästigten Frau
  • taxierende Blicke
  • Bemerkungen mit sexuellem Inhalt oder entsprechenden Äußerungen über das Äußere einer Frau
  • Erzählen von anzüglichen Witzen, Bemerkungen
  • Zeigen pornografischer Darstellungen,(z.B. am Handy oder durch das Aufhängen von Kalendern mit einschlägigen Fotos)
  • Aufforderung oder Nötigung( Zwang) zu sexuellen Handlungen
  • Aufforderung zum Mitansehen von sexuellen Handlungen
  • Äußerungen, Anspielungen und/oder Witze über vermeintliche oder tatsächliche Homosexualität
  • Versprechen beruflicher Vorteile bei sexuellem Entgegenkommen
  • Androhen beruflicher Nachteile bei sexueller Verweigerung

Je nach Form, Kontext und Ausmaß können sexuelle Belästigungen strafbare Handlungen sein (z. B.: Beleidigung, sexuelle Nötigung, Nachstellung)

Wie kann sich sexuelle Belästigung für Betroffene auswirken?
Sexuelle Belästigungen beinhalten in der Regel wiederholte sexuelle Handlungen und Strategien, die auf eine Manipulation und Unterwerfung der Betroffenen abzielen. Sexuelle Belästigungen stellen traumatisierende Situationen dar mit all den Auswirkungen wie sie traumatisierende Ereignisse nach sich ziehen. (siehe Thema: Trauma und Traumafolgen)

Folgende Symptome können auftreten:

  • chronische Anspannungszustände, Ekel, Wut, Empörung, Scham, Ohnmachtsgefühle
  • Verlust der Arbeitsmotivation, `innere Kündigung´
  • Unsicherheit und Angst, Depression, sozialer Rückzug
  • Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Schlafstörungen
  • psychosomatische und psychische Erkrankungen u.a.

Sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz können für Betroffene seelisch sehr belastend und zermürbend sein, da diese auf Grund der manipulierenden Strategien der Täter erst in Laufe der Zeit erkannt und enttarnt werden.

Was können Sie tun?

Eine offene Abwehr – möglichst im Beisein anderer – ist die wirksamste Reaktion auf sexuelle Belästigung! Energisches, klares und direktes Zurückweisen der Belästigung ist der erste Schritt!

Das manipulative Vorgehen belästigender Männer ist oft anfangs wie (oben aufgeführt) oft schwierig zu durchschauen und die getarnten Vorgehensweisen erschweren die Situation.

Dabei ist es wichtig daraufhin zu weisen, dass einzig Ihr subjektives Empfinden ausschlaggebend ist wie sie eine Situation bzgl. Sexueller Belästigung einschätzen. Weisen Sie deshalb alles zurück, was Sie als sexuell beleidigend und abwertend empfinden. Sie müssen nichts hinnehmen was bei Ihnen Unbehagen auslöst!

  • Ignorieren Sie nicht die Übergriffe, denn dies wird oft als Zustimmung gewertet wird. Das Verhalten der belästigenden Person wird sich hierdurch nicht ändern!
  • Sie sollten sich in jedem Fall an eine Person Ihres Vertrauens wenden und mit ihrem Problem nicht alleine bleiben! Suchen Sie sich Verbündete!
  • Dokumentieren Sie die Vorfälle (Datum, Uhrzeit, Ort, Art des Vorfalles). Dies kann später als Beweismittel verwendet werden.
  • Führen Sie Gespräche und Offenlegung im Kollegen/-innenkreis oder zunächst mit einzelnen Kollegen/-innen Ihres Vertrauens!
  • Dornrose e.V.in Weiden -Frauennotrufe vor Ort -, sind Ansprechstellen und bieten informelle und emotionale Unterstützung an.

Wenden Sie sich an den Arbeitgeber, an die Dienstvorgesetzten oder an den Betriebsrat.

Diese haben die Pflicht,

  • die Beschwerde zu prüfen und bei Feststellung einer Belästigung unverzüglich geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um diese zu beenden.
  • Maßnahmen durchzuführen in Form von Abmahnungen, Umsetzungen, Versetzungen, Kündigungen desjenigen, der die sexuelle Belästigung begeht.

Außerdem:

  • Es besteht das Verbot von Benachteiligungen von Betroffenen, weil sie sich gewehrt haben! Beschäftigtenschutzgesetz (BSchuG)
  • In Betrieben und Dienststellen ist das Auslegen oder Aushängen der Gesetzestexte Pflicht.

Wichtig:

  • Der Arbeitgeber muss Beschwerden von Belästigungen nachgehen und gegen die Urheber arbeitsrechtlich vorgehen. Ist die Beschwerde beim Arbeitgeber nicht erfolgreich, so hat die Belästigte das Recht, die Arbeit teilweise oder ganz niederzulegen. Im Extremfall darf die Betroffene nach schriftlicher Ankündigung sogar zu Hause bleiben und weiter Gehalt beziehen. Sie kann außerdem fristlos kündigen und ggf. Schadensersatz verlangen. Holen Sie sich deshalb immer auch juristische Beratung.
  • Wer als Arbeitnehmer andere sexuell belästigt, muss mit einer fristlosen Kündigung rechnen.
  • Geht die sexuelle Belästigung vom Betriebsinhaber aus, muss dieser mit der Entziehung der Ausbildereignung (§ 33 BBiG, § 24 HwO) rechnen.
  • Bei Auszubildenden kommt darüber hinaus der sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen in Betracht.

Gesetze, die das Vorgehen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz regeln

Das `Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz´ (AGG) untersagt eine „Benachteiligung“ von Beschäftigten; die Beschwerde einlegen. Auch die sexuelle Belästigung gilt als „Benachteiligung“. Sie liegt laut § 3, Absatz 4 AGG vor, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten die Würde des Opfers verletzt.

Nach dem `Beschäftigtenschutzgesetz´ (BSchuG), das für alle Beschäftigten in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst gilt, hat grundsätzlich jede betroffene Person das Recht, sich über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu beschweren, ohne dass dies persönliche oder berufliche Nachteile für Sie zur Folge haben darf.

Geregelt ist in diesen Gesetzen im Einzelnen:

  • die Definition von sexueller Belästigung
  • die Verpflichtung von Arbeitgebern und Dienstvorgesetzten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten vorbeugende Maßnahmen zu treffen
  • das Beschwerderecht der Betroffenen

*In den überwiegenden Fällen werden sexuelle Belästigungen von Männern durchgeführt. Im Text ist deshalb von Männern die Rede, was nicht ausschließt, dass im Einzelfall auch Frauen sexuell belästigen. www.stuttgart.igm.de/frauen/links.html