Rituelle Gewalt - Was ist das?


Gliederung des Artikels

Definition

Ziele

Tätergruppen

Vorgehensweise

Mind Control

Folgen

Trauma und Dissoziation

Neu - Infoportal Rituelle Gewalt


 

Definition: Rituelle Gewalt (nach Becker und Fröhling, 1998)

  • Schwere Form der Misshandlung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern.
  • Ideologisch motivierte Straftaten.
  • Organisierte Gewalt und das konsequente Begehen schwerer Straftaten in Verbindung mit einem (vorget√§uschten) Glaubenssystem.
  • Systematische Indoktrination und erzwungene intensive innere Bindung an die Gruppe und das Glaubenssystem (als Rechtfertigung f√ľr Gewaltanwendung und sinnstiftend f√ľr das Erleiden dieser).
  • Absicht ist die Traumatisierung und innere Aufspaltung der Pers√∂nlichkeit der Opfer.
  • Umfasst physische, sexuelle und psychische Formen von Gewalt, die planm√§√üig und zielgerichtet im Rahmen von Zeremonien ausge√ľbt werden bis hin zu Folter.
  • Diese Zeremonien k√∂nnen einen ideologischen Hintergrund haben oder auch zum Zwecke der T√§uschung und Einsch√ľchterung inszeniert sein.
  • Dabei werden Symbole, T√§tigkeiten oder Rituale eingesetzt, die den Anschein von Religiosit√§t, Magie oder √ľbernat√ľrlichen Bedeutungen haben.
  • Opfer von ritueller Gewalt werden dazu gezwungen, selbst sexualisierte Gewalt auszu√ľben oder zu misshandeln oder strafbare Handlungen innerhalb und au√üerhalb des Kultes zu begehen.
  • Absicht der Mitt√§terschaft ist, √ľber direkte Erpressung Druck auf die Opfer auszu√ľben, Schuldgef√ľhle zu implantieren, das Gef√ľhl von Zugeh√∂rigkeit einerseits und von Ausweglosigkeit andererseits zu verst√§rken.

Ziele

  • Die Opfer zu verwirren, in Angst zu versetzen, gewaltsam einzusch√ľchtern und mit religi√∂sen, spirituellen oder weltanschaulich-religi√∂sen Glaubensvorstellungen zu indoktrinieren.
  • Es handelt sich um Geschehnisse, die √ľber einen l√§ngeren bzw. langen Zeitraum wiederholt werden.
  • Macht √ľber Leben und Tod haben.
  • Maximale Lust durch sadistische Folter f√ľr die T√§ter herstellen.
  • Installierung von Schweigegeboten und deren phasenweise Verst√§rkung.
  • Weitreichende gesellschaftliche Macht und Kontrolle (Herrenmenschen).

Tätergruppen

  • Hierarchisch und m√§nnerdominierte Strukturen
  • Generationen√ľbergreifend, mit langer Tradition
  • Verwirklichung von Interessen wie Macht, Geld, Sadismus
  • Satanisten
  • Randgruppen anderer religi√∂ser Sekten und Kulte, "Orden" und "Logen"
  • Alt- und Neonazi-Gruppen
  • Organisierte Kriminalit√§t, wie "Kinderprornografie", Menschenhandel, Drogen u. a.
  • Unabh√§ngig agierende Gruppierungen oder solche, die untereinander vernetzt und zweckgebunden kooperieren
  • Das Wissen √ľber Ziele, Strukturen und Handlungen der Gruppierung liegt bei einem oder wenigen M√§chtigen.
  • Entscheidungen werden nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip getroffen.
  • Es besteht wegen der strafrechtlichen Relevanz ein Schweigegebot.
  • Bruch des Schweigegebotes wird durch die Gruppe geahndet.
  • Ausstiegswillige werden unter Druck gesetzt, erpresst, verfolgt oder – als letztes Mittel – get√∂tet.

Vorgehensweise der Tätergruppen

  • Hineingeboren werden in Gruppen organisierter Gewalt bzw. ihnen von klein auf ausgesetzt sein.
  • Im Verlaufe des Lebens in eine solche Gruppierung hineingeraten.
  • Familien sind √ľber Generationen hinweg in eine Sekte, Psychogruppe oder Kult eingebunden.
  • Unter Einsatz von vielf√§ltiger Gewalt werden andere Menschen ausgebeutet, verkauft, zur Prostitution gezwungen, gefoltert und get√∂tet.
  • Mit Drohungen, Strafen, Erpressungen und Einsch√ľchterungen wird die Einhaltung der Regeln und Gehorsam durchgesetzt.
  • Manipulation von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen mit allem verf√ľgbaren Wissen √ľber k√∂rperliche, emotionale und kognitive Reaktionen von Menschen
  • Manipulation der Kinder unter Nutzung des Entwicklungsstandes
  • Programmierung von Menschen
  • Funktionalit√§t und Gehorsam werden in manchen Gruppierungen durch lebenslange Konditionierung und Programmierung der Mitglieder gew√§hrleistet, die mit Situationen der Todesbedrohung und Ausweglosigkeit verbunden sind.

Mind Control in satanischen Kulten

Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung wird im englischen Sprachraum als "trauma-based (seltener: torture-based) mind control" bezeichnet.

In Bereichen von satanischen und auch faschistisch ideologisch geprägten Kultsystemen werden Techniken von Mind Control eingesetzt. Zunehmend werden Techniken der Mind Control aber auch im Bereich der organisierten Kriminalität wie Kinderpornographie und Kinderprostitution verwandt.

Ziel von Mind Control ist die Erlangung totaler, bedingungsloser Herrschaft √ľber das Opfer und die Schaffung von Abh√§ngigkeitsstrukturen. Hierzu wird eine Vielfalt von Techniken angewandt und kombiniert, so beispielsweise Manipulation, Indoktrination, Konditionierung, Codierung/Programmierung und "Gehirnw√§sche". "Bedingungslos" bedeutet, dass diese Menschen jeden Befehl befolgen, sogar wenn dies f√ľr sie den sicheren Tod zur Folge hat, und dass ihr Gehorsam nicht von der pers√∂nlichen Anwesenheit der Bewusstseinskontrolleure abh√§ngt.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzen die Täter eine Vielzahl von Methoden ein: klassische Methoden wie die Hypnose, verschiedene Drogen und Folterwerkzeuge oder moderne wie Elektroimpulswaffen (Taser) und Maschinen zur Elektrokrampfbehandlung.


Folgen ritueller Gewalt

Rituelle Gewalt findet auf vielfältige Art und Weise statt. Hierbei lassen sich drei Ebenen unterscheiden:

  • psychische Gewalt
  • k√∂rperliche Misshandlung
  • sexualisierte Gewalt

Als Folge dieser h√§ufig sehr extremen Techniken und den damit verbundenen Traumatisierungen entstehen Dissoziationen, die in (komplexe) posttraumatische Belastungsst√∂rungen oder auch in Dissoziative Identit√§tsst√∂rungen/Multiple Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen (DID/MPD; deutsch: DIS/MPS) m√ľnden k√∂nnen.

Trauma und Dissoziation

Ein Trauma ist ein potentiell lebensbedrohliches Ereignis, das die individuellen Bew√§ltigungsm√∂glichkeiten √ľbersteigt und den betroffenen Menschen mit Gef√ľhlen der Hilflosigkeit, intensiver Angst oder Entsetzen √ľberflutet.

Dissoziation, also die Abspaltung von Gedanken, Gef√ľhlen, K√∂rperempfindungen oder Handlungen, ist eine M√∂glichkeit, diese traumatische Situation zu √ľberstehen. Insbesondere fr√ľhkindliche, wiederholte Gewalt kann zur Abspaltung von Pers√∂nlichkeitszust√§nden f√ľhren, die sich zu eigenen Identit√§ten entwickeln.

Ernste Beeintr√§chtigungen im gesundheitlichen und beruflichen Bereich sowie in allen √ľbrigen sozialen Kontakten k√∂nnen die Folgen sein.

Die internationalen Diagnosemanuale psychischer Störungen ICD-10 und DSM-IV sprechen von Konversionsstörungen oder Dissoziativen Störungen. Hierzu gehört die Dissoziative Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeitsstörung).

Ursache sind Gewalterfahrungen, die von famili√§rer Gewalt √ľber organisierte Ausbeutung von Kindern (z. B. zur Herstellung so genannter Kinderpornographie - treffender: Kinder-Folter-Dokumentationen) bis zur Auslieferung der Kinder an gewaltaus√ľbende ideologische Kulte (Rituelle Gewalt) reichen.

 

Neu - Infoportal Rituelle Gewalt

Seit kurzem gibt es unter der Adresse www.infoportal-rg.de ein neues Infoportal zum Thema "Rituelle Gewalt". Hier können sich Betroffene, Angehörige oder auch Fachkräfte weitere Informationen zu dieser Thematik, sei es Gerichtsurteile etc. einholen.


 

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